Fachhochschulreife am Abendgymnasium
Das Abendgymnasium ist eine spezielle Gymnasialform und Einrichtung des Zweiten Bildungswegs (Schule für Erwachsene, SfE oder Schule für Berufstätige) zur Erlangung der Hochschul- und Fachhochschulreife. Darüber hinaus bieten Abendgymnasien auch andere Abschlüsse, wie die Fachoberschulreife an. Während man für das Abitur zwischen drei und vier Jahre benötigt, reduziert sich die Zeit beim Fachabitur auf drei bzw. zwei Jahre. Abendgymnasien eignen sich hervorragend für Berufstätige, die ihre schulische Qualifikation aufwerten möchten und dafür abends die Schulbank drücken. Einige Abendgymnasien kooperieren darüber hinaus mit Kollegs, die ganztags unterrichten und ebenfalls neben der Hochschulreife zur Fachhochschulreife führen.
Aufnahme und Voraussetzungen fürs Abendgymnasium
Um an das Abendgymnasium aufgenommen zu werden, muss man bei Eintritt in die Einführungsphase mindestens 19 Jahre alt sein. Außerdem muss man zum Zeitpunkt der Aufnahme entweder berufstätig oder bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend gemeldet sein. Die selbständige Führung eines Familienhaushaltes gilt dann als Berufstätigkeit, wenn mindestens eine erziehungs- oder pflegebedürftige Person zum Haushalt gehört. Weiterhin muss man vorher eine Berufausbildung abgeschlossen haben oder insgesamt 36 Monate (drei Jahre) berufstätig gewesen sein. Wehr- oder Wehrersatzdienst, soziales Jahr, die selbständige Führung eines Familienhaushaltes und nachgewiesene Arbeitslosigkeit können angerechnet werden. Nicht alle Abendgymnasien fordern bei der Aufnahme einen bestimmten Schulabschluss, teilweise sind jedoch der Hauptschul- oder Realschulabschluss Zulassungsvoraussetzung.
Sofern man an der Abendrealschule oder in den Fachoberschulreife-Kursen der Volkshochschule eine Fachoberschulreife erworben hat, kann der schulische Teil der Fachhochschulreife auch dann erreicht werden, wenn man jünger als 19 oder keine dreijährige Berufstätigkeit bzw. abgeschlossene Ausbildung vorweisen kann. In jedem Fall sollte man sich mit dem Abendgymnasium persönlich in Verbindung setzen und die Möglichkeiten abklären! Denn über die Aufnahme können auch höhere Schulgremien entscheiden! FHRplus
Einzelne Abendgymnasien verlangen darüber hinaus auch eine Aufnahmeprüfung oder andere Kriterien. Zudem werden umfangreiche Unterlagen, wie Zeugniskopien, Lebenslauf, u.a. benötigt.
Dauer für die Fachhochschulreife
Wer keine Vorkenntnisse einer 2. Fremdsprache hat (entweder ausreichend lange Unterricht in einer zweiten Fremdsprache in der bisherigen Schullaufbahn oder die Anerkennung einer Muttersprache als zweite Fremdsprache, evtl. durch Feststellungsprüfung) muss am Abendgymnasium mit dem Vorkurs beginnen. In der Regel besuchen auch Studierende, die noch nicht über die Fachoberschulreife verfügen, einen Vorkurs. Bewerber mit FOS-Reife (Sekundarabschluss I) treten in der Regel in das 1. Semester des Studienganges ein. Zur Auffrischung der Vorkenntnisse ist auch eine freiwillige Einstufung in den Vorkurs möglich. Vorkurse dauern im Regelfall ein halbes Jahr, also ein Semester. Danach schließen sich eine Einführungsphase (zwei Semester) und die Hauptphase (vier Semester) an, bevor man zum eigentlichen Ziel des Abendgymnasiums, der allgemeinen Hochschulreife, kommt. Bei vorzeitigem Verlassen nach dem vierten oder fünften Semester kann auf Antrag die Fachhochschulreife zuerkannt werden. Weiterhin kann man die Fachhochschulreife auch nach einem Jahr erlangt werden, wenn man über ein Versetzungszeugnis in die 12. Klasse verfügt.
Abendgymnasien sind kostenfrei, jedoch kann für die letzten drei Semester rückzahlungsfreies und elternunabhängiges BAföG beantragt werden. Weitere Informationen zu Zeitfenster und Organisation gibt es hier.