Fachhochschulreife in der gymnasialen Oberstufe

Schulischer Teil der Fachhochschulreife

Der schulische Teil der Fachhochschulreife kann frühestens nach dem Besuch von zwei Schulhalbjahren der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe verschiedener Schularten (allgemein bildendes Gymnasium, Schularten mit drei Bildungsgängen wie die Gesamtschule, Berufliches Gymnasium) in allen Bundesländern bis auf Bayern und Sachsen auf Antrag erworben werden. Dies gilt auch für das Abendgymnasium und das Kolleg.

Die genauen Voraussetzungen für den Erwerb des schulischen Teils der Fachhochschulreife in der gymnasialen Oberstufe sind in den relevanten Rechtsgrundlagen der einzelnen Bundesländer geregelt (alphabetische Reihenfolge):

Schüler, die frühestens nach dem Besuch von zwei Schulhalbjahren der Qualifikationsphase die gymnasiale Oberstufe verlassen oder die Abiturprüfung nicht bestehen (vgl. Abirechner), erwerben in den genannten Bundesländern bei entsprechenden Leistungen somit den schulischen Teil eines höheren Schulabschlusses: der Fachhochschulreife. Da Bayern und Sachsen diese Möglichkeit nicht vorsehen, besitzen Schüler dort bei Verlassen der gymnasialen Oberstufe ohne allgemeiner Hochschulreife in jedem Fall nur einen mittleren Schulabschluss!

Die Aufnahme eines Hochschulstudiums in Deutschland allein mit dem schulischen Teil des Fachabiturs ist nicht möglich. Für die erforderliche vollständige Fachhochschulreife fehlt nach dem schulischen Teil der Fachhochschulreife noch der Nachweis des fach-praktischen berufsbezogenen Teils.

Die Durchschnittsnote der Fachhochschulreife errechnet sich übrigens allein aus dem schulischen Teil und wird auf dem Abgangszeugnis ausgewiesen.

Fachpraktischer / berufsbezogener Teil der Fachhochschulreife

Der fachpraktische berufsbezogene Teil der Fachhochschulreife kann gemäß der "KMK-Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II" (Link zum Beschluss vom 07.07.1972 i.d.F. vom 06.06.2013, "Oberstufenvereinbarung") nach Erwerb des schulischen Teils in der gymnasialen Oberstufe nachgewiesen werden durch:

  • eine abgeschlossene Berufsausbildung nach Bundes- oder Landesrecht oder
  • ein einjähriges gelenktes Praktikum, wobei einem Praktikum die mindestens einjährige kontinuierliche Teilnahme an einer Berufsausbildung nach Bundes- oder Landesrecht gleichgestellt ist, oder
  • ein freiwillig abgeleistetes soziales oder ökologisches Jahr, den Wehr- oder Zivildienst sowie den Bundesfreiwilligendienst. Abgeleistete Dienste von unter einem Jahr Dauer können auf die Dauer eines gelenkten Praktikums angerechnet werden.

Aufgepasst: Durch die Formulierung "abgeschlossene Berufsausbildung nach Bundes- oder Landesrecht" in der KMK-Oberstufenvereinbarung wird derzeit unter anderem keine einzige Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf nach Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder Handwerksordnung (HwO) als Nachweis für den berufsbezogenen Teil der Fachhochschulreife akzeptiert, zumindest "rechtlich" gesehen. Hierbei scheint es sich aber eher um einen unbedarften Fehler in der Formulierung der Vereinbarung zu handeln, denn es ist nicht vorstellbar, dass wirklich nur die wenigen Ausbildungsberufe nach Bundesrecht (z.B. Altenpfleger, Logopäden, etc. insgesamt ca. 20) oder Landesrecht (u.a. die Staatlich Geprüften Assistenten) als Nachweis gelten sollen und über 300 anerkannte Ausbildungsberufe nach BBiG oder HwO nicht.

Anerkennung der Fachhochschulreife

Die KMK "Oberstufenvereinbarung" i.d.F. vom 06.06.2013 sieht vor, dass Zeugnisse der Fachhochschulreife von den Bundesländern gegenseitig anerkannt werden. Das gilt auch für den schulischen Teil der Fachhochschulreife.
Aber aufgepasst: In Bayern und Sachsen besteht wie oben bereits erwähnt keine Möglichkeit, den schulischen Teil der Fachhochschulreife in der gymnasialen Oberstufe zu erwerben! Dementsprechend wird eine auf diesem Weg erlangte Fachhochschulreife aus einem anderen Bundesland dort auch nicht anerkannt und berechtigt somit nicht zum Studium an bayrischen oder sächsischen (Fach-)Hochschulen!